FAQ – Schimmelgefahr im Tiny House

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Eines der am meisten vernachlässigten Probleme im Tiny House ist die Gefahr von Schimmel.

Das Problem entsteht immer dann, wenn im Haus eine zu hohe Feuchtigkeit entsteht, Wände feucht oder gar nass werden können. Und nicht immer bemerkt man solche Probleme, weil Feuchtigkeit auch in den Wänden entstehen kann, wenn die Dämmung nicht professionell verarbeitet wurde. Aber in einem gut gedämmten Tiny House spielt die Dämmung eigentlich nur eine untergeordnete Rolle, wenn es um Feuchtigkeit und Schimmel geht (zu Dämmung siehe hier). In diesem Artikel wollen wir uns deshalb konkret mit der Feuchtigkeit im Tiny House beschäftigen.

Um das Problem erklären zu können, müssen wir erst einmal über den Unterschied zwischen relativer und absoluter Luftfeuchte sprechen.
Die absolute Luftfeuchtigkeit zeigt an, wie viel Wasser in Gramm tatsächlich pro Kubikmeter Luft enthalten ist, also zum Beispiel 10 g/m3. Nun kann aber wärmere Luft mehr Wasser aufnehmen und kältere Luft eben weniger. Deshalb spricht man auch von relativer Luftfeuchtigkeit, die in Prozent gemessen wird. Das erlebt man an Herbsttagen, wenn es morgens kühl ist und Nebel über der Wiese aufkommt. Wenn es wärmer wird, verflüchtig sich der Nebel, die relative Luftfeuchte sinkt aber die absolute Wassermenge in der Luft bleibt unverändert. Anders herum erleben wir es, wenn beim Duschen die Fenster beschlagen. Dann kühlt die Luft am kalten Fenster ab, die relative Luftfeuchtigkeit steigt über 100 % und Wasser an der Scheibe kondensiert.

Beispiel: 
Lufttemperatur 20° C
absolute Luftfeuchte ca. 10,3 g/m3
relative Luftfeuchte ca. 60 %
Jetzt steigt die Lufttemperatur auf 23° C, die absolute Luftfeuchte bleibt bei 10,3 g/maber die relative Luftfeuchte sinkt auf ca. 50 %. Die Luft kann jetzt also mehr Wasser aufnehmen als zuvor. In diesem Fall könnte sie noch einmal 50 % also noch einmal 10,3 g/maufnehmen. Würde dann aber die relative Luftfeuchte über 100 % (also absolut über 20,6 g/m3) steigen, fällt Wasser aus und wir bekommen Kondenswasser, womit unser ernsthaftes Problem beginnt. 

Lösungsansatz 1 Heizen
Einfaches Heizen verringert also lediglich die relative Luftfeuchte, während die absolute Luftfeuchte konstant bleibt. Aber: Die wärmere Luft kann jetzt noch mehr Wasser aufnehmen. Das kann durch Kochen, Duschen oder einfach über die Personen im Haus passieren.

Wasserdampf in der LuftZur Verdeutlichung: Ein einzelner Mensch schwitzt und atmet täglich ca. einen Liter Flüssigkeit aus. Auf ein Tiny House mit 60 m3 Raumvolumen gemessen hieße dies, dass pro m3 täglich ca. 17 g Wasser hinzukommen (1.000 ml geteilt durch 60 m3). Zwei Personen würden also täglich schon zwei Liter oder 34 Gramm pro Kubikmeter Luft hinzufügen. Allerdings kann die Luft bei 20°C nur ca. 17 g aufnehmen und sie trägt bei 60 % rel. LF bereits 10 g (siehe rote Linien in der Tabelle). Es wären also nur noch 7 Gramm „Platz“ in der Luft (siehe grüne Linien) und die Differenz zu 27 Gramm würde als Schwitzwasser an Wänden und Scheiben entstehen. Wollte man die täglich produzierte Feuchte allein durch Heizen lösen wollen, müsste die Raumluft auf 37° C erhitzt werden. Diese Temperatur müsste aber auch ständig gehalten werden, denn sobald sich die Luft wieder abkühlt, entsteht sofort Kondenswasser und wir erleben eine regelrechte Tropfsteinhöhle.

Das bedeutet, dass Heizen nicht nur keine sinnvolle Lösung für das Feuchtigkeitsproblem ist sondern im Gegenteil das Problem sogar drastisch verstärken kann. Heizen ist dazu da, um Räume aufzuwärmen, aber es macht keinen Sinn, durch Heizen das Feuchtigkeitsproblem im Tiny House zu lösen. 

Lösungsansatz 2 Fensterlüftung
Selbstverständlich können wir durch Lüften einen gewissen Luftaustausch zwischen draußen und drinnen herbeiführen, sofern die Außenluft eine geringe absolute Luftfeuchte als die Innenluft aufweist. Wenn die beiden Personen aus dem obigen Beispiel ständig im Tiny House leben, werden aber täglich 1,6 Liter Wasser produziert, die permanent abgeführt werden müssten, – wohlgemerkt ohne Berücksichtigung von Duschen und Kochen. So produziert ein Kochvorgang durchschnittlich 800 g Wasserdampf. Wenn mit einem Gasherd gekocht wird, können es durchaus 100-200 g mehr werden. Ein Wannenbad produziert ca. 700 g und ein zehnminütiges Duschbad immerhin 450 g, eine einzige Topfpflanze produziert ca. 150 g Wasserdampf und eine halbhohe Grünpflanze ca. 300 g täglich.

Im ganz normalen Alltag müssen wir also von einer realistischen Wassermenge von drei bis sechs Litern Wasserdampf täglich ausgehen. Wollten wir dieses Problem allein durch Fensterlüftung zu lösen versuchen, müssten wir permanent für Durchzug sorgen und zwar Tag und Nacht, Sommer wie Winter, um unser Minihaus vor Schwitzwasser und Schimmel schützen zu können. Auch das noch einmal beispielhaft beschrieben: wenn wir NUR vier Liter Wasserdampf aus dem Tiny Houses herausschaffen wollten und jeder m3 Luft nur sieben Gramm heraustragen kann, dann müssten wir sage und schreibe 570 m3 Luft aus einem Tiny House herausziehen. Das hieße, dass wir in jeder Stunde des Tages und der Nacht ca. 24 Minuten kompletten Durchzug haben müssten, um das Problem in den Griff zu bekommen. Spätestens in der Winterzeit dürfte es dann Probleme mit der Heizung geben.

Fensterlüftung kann also im sehr gut gedämmten Tiny House lediglich eine sekundäre aber keinesfalls eine nachhaltige Lösung sein. Wichtig ist dabei die Betonung auf „sehr gut gedämmt“. Wenn das Tiny House zugig oder schlecht gedämmt sein sollte und sich nur ein einzelner Mensch für eine begrenzte Zeit des Tages im Tiny House aufhalten sollte, der selten duscht, wenig kocht und keine Pflanzen besitzt, kann es vielleicht gerade so ausreichend sein. Allerdings besteht bei schlechter Dämmung faktisch keine Möglichkeit, das Tiny House legal mit Baugenehmigung als offizielles Wohngebäude nutzen zu können.

Lösungsansatz 3 Luftaustausch
Moderne Energiesparhäuser (also auch Tiny Houses) verlangen heutzutage nach technischen Lösungen wie Luft-Luft-Wärmetauscher. Solche Systeme tauschen permanent die Raumluft gegen Außenluft aus, um auf diese Weise auch die absolute Luftfeuchte regulieren zu können. Damit nicht gleichzeitig Wärme verloren geht, werden in Wärmetauschern spezielle Pufferspeicher aus hochwertigem Keramik oder Aluminium verbaut, die beim Herauslüften die Wärme speichern, um sie beim Hereinlüften wieder an die kalte Außenluft abzugeben. Auf diese Weise kann durchaus bis zu 90 % an Wärme zurückgewonnen werden, während die Luftfeuchtigkeit erfolgreich reguliert wird. Allerdings sind Wärmetauscher, wie sie in modernen Energiesparhäusern verwendet werden, zumeist viel zu groß und zu klobig, um in Tiny Houses erfolgreich eingesetzt werden zu können. Deshalb haben wir mit Werksunterstützung unserer Hersteller ein spezielles Wärmetauscher-System für unsere Rolling Tiny Houses entwickelt, die einerseits klein, trotzdem leistungsstark, verbrauchsarm und zugleich sehr geräuscharm sind, so dass sie für den permanenten 24-Stunden-Betrieb uneingeschränkt geeignet sind. 

In unserem Probewohn-Tiny-House konnten wir diesen Effekt kürzlich live erleben, als ein Pärchen in der ersten Nacht den Wärmetauscher ausschaltete. Der Pelletofen hatte für wohlige Wärme gesorgt und die Außentemperaturen sanken in der Nacht auf ca. 5° C. Am nächsten Morgen hatte sich bereits erstes Schwitzwasser an den Fenstern gebildet. Damit war klar, wozu das Teil gut ist und dass Heizen allein keine Lösung sein kann. Am nächsten Tag blieb der Wärmetauscher angeschaltet und das Problem war gelöst.

Darüber hinaus sollte nicht unbeachtet bleiben, dass im Badezimmer ein hygrostatisch gesteuerter Abluftventilator installiert werden sollte, der regelmäßig die Luftfeuchtigkeit misst und automatisch startet, wenn die Luftfeuchtigkeit steigt. Der Ventilator lüftet dann solange, bis sich die relative Luftfeuchtigkeit wieder normalisiert hat. Bäder in Tiny Houses sind systembedingt sehr klein und selbst kurzes Duschen erhöht dann die relative Luftfeuchtigkeit extrem, die sofort abgeführt werden sollte. Aber auch hier gilt wieder: Ein Abluftventilator allein ersetzt keinen permanenten Luftaustausch. Die Logik dürfte einfach sein: selbst ein kleiner Abluftventilator saugt ein Luftvolumen von über 100 m3/h. Bei einem Tiny House-Volumen von lediglich 60 m3 muss die Luftmenge also auch irgendwo herkommen, so dass nicht nur eine Abluft sondern auch eine gesteuerte Zugluft erforderlich werden würde. Im Winter hieße dies aber, dass bei jedem Duschen die komplette Wärme aus dem Tiny House gesaugt werden würde. Die Kombination aus Luftaustausch und Wärmeerhaltung heißt also nicht Abluftventilator sondern Luft-Luft-Wärmetauscher. 

Lösungsansatz 4 Luftentfeuchtung
Moderne Wärmepumpen bieten heute die Möglichkeit, sowohl die Heizung als auch die Kühlung und die Entfeuchtung der Luft zu übernehmen. Das System einer Wärmepumpe ist dabei denkbar einfach und funktioniert wie beim Kühlschrank – es gibt eine Kälteseite und eine Wärmeseite. Zum Kühlen wird also nur die Kälteseite genutzt und die Wärme wird weggeworfen – eben wir beim Kühlschrank. Zum Heizen funktioniert es genau anders herum: es wird die Wärme genutzt und die Kälte wird weggeworfen. 
Bei den Entfeuchtung werden dann beide Seiten genutzt: erst wird die Luft über die Kälteseite geführt, die Luft kühlt sich ab und die relative Luftfeuchtigkeit steigt. Steigt sie über 100 %, kann sie das überschüssige Wasser nicht mehr halten: es kondensiert. Damit habe ich absolut Wasser aus der Luft entzogen. Jetzt wird die Luft über die Wärmeseite geführt, sie erwärmt sich und die relative Luftfeuchte sinkt. Dann sprechen wir auch von „trockenerer Luft“. Auf diese Weise kann ich ohne Außenluft sehr elegant das Feuchtigkeitsproblem im Tiny Houses lösen. Unsere Rolling Tiny Houses können mit einem Wärmepumpen-Klimapaket ausgerüstet werden, das somit alle Aufgaben Heizen, Kühlen und Entfeuchten in einem System erfüllen kann.

Fazit: 
Einfaches Heizen oder Fensterlüften führt kaum zu sinnvollen Ergebnissen. Auch sind Aussagen mit Vorsicht zu genießen, nach denen diffusionsoffene Wände Abhilfe schaffen könnten, – es gibt schlichtweg keine atmenden Wände, die solche Wassermengen abtransportieren können, wie sie in Tiny Houses entstehen. Wer in einem nachhaltig und energiesparend gedämmten Tiny House Schwitzwasser und Schimmel vermeiden will, lässt sich in seinem Tiny House entweder einen Luft-Luft-Wärmetauscher und/oder eine Wärmepumpe zur Luftentfeuchtung installieren, damit es auch morgen noch gesunde und schimmelfreie Freude bescheren kann. Für Dein Rolling Tiny House stehen diese Optionen selbstverständlich zur Verfügung und wir dimensionieren sie optimal für Dein Traum-Tiny House.